Von der Kunst Konflikte zu lösen

9. Oktober 2017

Tag der offenen Tür in der Praxis „KONFLIKTFREI – Praxis für Mediation und Beratung“ am Samstag, 30. September, ab 15 Uhr

Von Anna-Sophie Schindler

Weilmünster-Wolfenhausen. Das Kind ist aggressiv oder teilnahmslos, die Partnerschaft steht vor dem Aus, der Verlust eines geliebten Menschen muss verarbeitet werden, der Streit mit den Nachbarn eskaliert – jeder Streit und jeder Auseinandersetzung ist anders. Dennoch gibt es bestimmte, sich wiederholende Muster. Mediatorin Alexandra Kaske kennt sie und weiß: „Es gibt immer eine Lösung.“

Kaske führt durch den Konflikt und bringt beide Parteien dazu, selbst eine Lösung zu finden. „Konflikte müssen gelöst werden, sonst entsteht Unzufriedenheit.“ Eine Mediation sei immer dann sinnvoll, wenn die Betroffenen in der Sackgasse stecken und sich mit ihrem Problem im Kreis drehen.

Ihre Praxis „KONFLIKTFREI“ hat die gebürtige Atzbacherin Anfang 2016 im Weilmünsterer Ortsteil Wolfenhausen eröffnet. Sie ist zurückhaltend gestaltet. Nichts lenkt ab. Es gibt Raum für Gedanken und Lösungen. In der Mitte steht eine Sitzecke – ein brauner Tisch mit vier Sesseln, darunter ein grüner Teppich.

Einziges Hilfsmittel in der Beratung ist eine Flipchart. Kaske zeichnet eine Treppe – die fünf Phasen der Mediation. Am Anfang steht der Konflikt, am Ende die Lösung, visualisiert mit einer Sonne. Dazwischen geht es um Themen wie Sorgerecht, Finanzen, Depressionen oder Einsamkeit.

Bei Kaske können die Menschen über ihre Bedürfnisse sprechen, über das, was zu dem Konflikt geführt hat. Kaske hört dabei genau zu. Durch ihre ruhige Art fühlen sich die Menschen gut aufgehoben. Ab und zu fragt sie nach oder geht im Gespräch einen Schritt zurück. „Oftmals ist die Lösung so nah, aber die Klienten müssen sie selbst finden. Ich gebe nichts vor.“ Bei der Beratung verhält sie sich völlig neutral, ergreift keine Partei, zeigt keine Emotionen.

Die wichtigsten Charaktereigenschaften einer Mediatorin sei die Empathie. „Ich muss mich in die Menschen einfühlen können, ihre Gedanken, Motive und Emotionen verstehen.“

Zur Mediation ist Kaske über ihr Studium Familientherapie gekommen. Mit einem Kommilitonen schlüpfte sie in die Rolle eines streitenden Ehepaares und wurde von einem Mediator durch den Konflikt zur Lösung geführt. „Es war nur eine Rolle, aber danach war ich so positiv gestimmt, so befreit, dass das Problem gelöst war“, sagt Kaske. Das Seminar war für sie ein Schlüsselerlebnis. Sechs Jahre später machte sie schließlich ihre Zusatzausbildung zur Mediatorin an der Hochschule Wismar. Dazwischen arbeitete sie einige Jahre bei der Lebenshilfe.

„Es ist so schön zu sehen, dass die Leute am Ende glücklich nach Hause gehen.“ Daher habe sie ihrer Praxis auch den Namen „KONFLIKTFREI“ gegeben.

Mediation gibt es seit über 2500 Jahren. Bereits Aristoteles und Platon haben sich in ihren Werken mit der Vermittlung bei Konflikten beschäftigt. Kaske sieht die große Stärke in der Mediation darin, dass es für beide Parteien ein gutes Ergebnis gibt. Das sei der große Unterschied zu einem Gerichtsverfahren, bei dem der Richter entscheidet und es einen Gewinner und einen Verlierer gibt. „Bei der Mediation sind beide Parteien Gewinner“, betont Kaske.

Festgehalten wird dies in einem sogenannten Mediationsvertrag, der mit einer notariellen Beglaubigung auch rechtskräftig ist. Viele Ehepaare legen darin vor einer Scheidung fest, wer Haus, Auto oder andere Güter bekommt und welche Besuchsregeln es für die Kinder gibt.

In Italien und Spanien ist eine Mediation vor einer Scheidung längst zum Pflichtprogramm geworden. Für Kaske ist es nur eine Frage der Zeit, bis man auch in Deutschland diese Richtung einschlägt.

 

Infobox:

Interessierte können die Praxis „KONFLIKTFREI“ am Samstag, 30. September, ab 15 Uhr beim Tag der offenen Tür kennenlernen. Neben Praxisinhaberin Alexandra Kaske werden ihre Mitarbeiter Manuela Müller-Löw, systemische Familientherapeutin, und Sporttherapeut Thomas Theisinger  vor Ort sein. An diesem Tag wird auch das neue Erscheinungsbild der Praxis vorgestellt. Grafikerin Eugenie Erbe aus Wolfenhausen hat Logo, Flyer und Website gestaltet.

Die Praxis liegt am Ortsausgang von Wolfenhausen in Richtung Laubus-Eschbach, in der Bornbachstraße 80.

Last modified: 9. Oktober 2017

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