Neue Schule für Ghana

6. April 2019

Mädchen und Jungen aus Wolfenhausen sammeln seit Jahren die Kollekte im Kindergottesdienst und spenden jetzt für einen Neubau 1 / 2

Wer helfen möchte, meldet sich bei Pfarrerin Bettina Bender im Pfarrhaus in Wolfenhausen, Bornbachstraße 43, oder unter Telefon 06475-525.
Noch in der alten Schule aus Holz: Vor dem Unterricht singen alle Kinder zusammen, um gut gelaunt den Schulalltag zu meistern

Vor ein paar Tagen ist sie wieder zurückgekommen aus Ghana: die evangelische Pfarrerin Bettina Bender aus Wolfenhausen. Im Gepäck hat sie jede Menge Erlebnisse, Erinnerungen und Fotos. Als sich die Pfarrerin am 2. März für mehr als zwei Wochen auf den Weg nach Ghana gemacht hatte, waren ihre Koffer dagegen prall gefüllt: mit etwa 180 Brillen und 40 Fußbällen. Bettina Bender weiß von vielen Reisen in das Westafrikanische Land, dass diese Gegenstände dort Mangelware sind. Ein Fußball zum Beispiel kostet einen Monatslohn. Seit Jahren sammelt sie deshalb diese Spenden, um sie vor Ort an bedürftige Kinder zu verteilen. Doch Bettina Bender hatte auch Geld dabei. Geld, das von Kindern in Deutschland im Gottesdienst gesammelt wurde und nun Kindern in Ghana zugute kommen soll.

An jedem Sonntag wird im Kindergottesdienst in Wolfenhausen eine kleine Kollekte gesammelt. Die Kinder dürfen Münzen von einem bis zu 50 Cent in eine kleine Holzkirche einwerfen.
„Das macht den Kindern besonders Freude“, erzählt Bettina Bender. „Denn es klingelt so schön, wenn die Münze in die Kiste fällt.“ Dann werden die Münzen fein säuberlich in zwei Kalender, die mit durchsichtigen kleinen Geldtaschen versehen sind, einsortiert. Wenn sie voll sind, überlegen die Kinder, wofür sie das Geld spenden möchten. Einen kleinen Anreiz gibt es für die Mädchen und Jungen auch: Wenn der Kalender voller Geldstücke ist, unternimmt die Pfarrerin zur Belohnung mit ihnen einen Ausflug.

„Seit etwa vier Jahren spenden die Kinder das Geld für Ghana“, erzählt die Pfarrerin. „Mit dem Geld wird zum Beispiel das Mittagessen der Schulkinder bezahlt.“ Und in diesem Jahr soll das Geld – 150 Euro haben die deutschen Mädchen und Jungen gesammelt – für den Neubau einer Schule, der „Children of God“, verwendet werden.
Erfahren von dem Schulprojekt in Ghana hatte die Pfarrerin vor ein paar Jahren von Johannes Stern und seinen Eltern, die nach einem Gottes- dienst auf Bettina Bender zugekommen waren und ihr erzählten, dass ihr Sohn für ein Studiensemester nach Ghana gehen würde. Irgendwann be- suchte Johannes Stern, der damals in Gießen studierte, die Pfarrerin und auch einen Kindergottesdienst und erzählte, was er in Ghana erlebt hatte. Dass er dort mit zwei anderen Studenten – Katharina Mählmann, auch aus Deutschland, und Sean Barlett aus den USA – die Einheimischen Cujoe und Kofi kennengelernt hatte. Die beiden Ghanaer unterrichteten in Adenta, einem Vorort von Accra, der Hauptstadt von Ghana, etwa 40 Kinder ehrenamtlich in vorübergehend leer stehenden Rohbauten. Die drei Studenten schlossen sich den einheimischen Lehrern an und unterstützten sie beim Unterrichten. Jedoch wurde das Gebäude geräumt und die Schüler und Lehrer standen ohne Klassenräume da. Daraufhin starteten die Studenten eine Spendenaktion. Von dem Geld pachteten sie ein Grundstück, auf dem sie ein kleines Schulgebäude aus Holz errichteten. Dabei halfen alle mit.

Pfarrerin Bettina Bender schaut sich die Baustelle an: Hier entsteht die neue Schule aus Stein.

Die Freude währte jedoch nicht sonderlich lange, denn der Landbesitzer verlängerte den Pachtvertrag nicht. Die freiwilligen Helfer und Schüler standen abermals vor dem Aus. Sie ließen sich jedoch nicht entmutigen und starteten erneut eine Spendenaktion.
Dann kauften sie ein Stück Land, um unabhängiger zu sein. Und nun bauen sie eine neue Schule aus Stein darauf. „Das ist langlebiger“, sagt Bettina Bender. „Das Fundament ist so stabil, dass man bei Bedarf ein zweites Stockwerk draufsetzen könnte.“ Doch so einfach ist das alles nicht. Gibt es kein Geld, kann nicht gebaut werden. Es kommt also auch mal vor, dass die Bauarbeiten ruhen. „Die Wände stehen zwar schon“, erzählt Bettina Bender, die sich den Neubau angeschaut hat. „Aber das Dach fehlte noch.“

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Last modified: 7. April 2019

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