Deutsch-Englische Freundschaft auf dem Fußballplatz
Beim 100jährigen Jubiläum des SV 1926 Wolfenhausen 2026 gab es bei der Bilderausstellung viele Fußballer zu bestaunen. Das an sich war zu erwarten. Ungewöhnlich waren allerdings die vielen alten Fotos von Wolfenhäusern auf der Fähre nach England, in London und auf Englischen Fußballplätzen sowie Fotos von Englischen Fußballern auf dem Wolfenhäuser Sportplatz und gemeinsam bei ausgelassenen Feiern in beiden Ländern. Im Sportlerheim hängen außerdem eine Menge Wimpel und Tafeln mit der Aufschrift „Friendship“ und „Evershed F.C.“ Da fragt man sich, wer war dieser englische Fußballclub eigentlich und wie kam diese ungewöhnliche Freundschaft mit dem SVW überhaupt zustande?
Diese Fotos sollen nun auch hier gezeigt und die Fragen beantwortet werden:
Evershed & Vignols war eine sehr erfolgreiche englische Firma für tragbare elektronische Messgeräte im Londoner Stadtteil Chiswick. Sidney Evershed hatte Ende des 19. Jahrhunderts das weltweit erste tragbare Gerät zur Messung des Isolationswiderstands erfunden, dem er den (bei Elektrikern) heute noch bekannten Namen „Megger“ gab. 1895 gründete er mit Ernest Vignoles die Firma Evershed & Vignoles mit dem Sitz in London Chiswick. Es kamen weitere tragbare Messgeräte hinzu und insbesondere durch deren Einsatz in Flugzeugen, wuchs der Mitarbeiterstamm der kleinen Firma bis zum Ende des 2. Weltkriegs auf über 1000 an. Bei dieser Größe kann man auch ruhig mal eine eigene Werksmannschaft im Fußball gründen, nämlich den Evershed F.C.
Mit dem Ende des 2. Weltkrieg begann auch auf der Wolfenhäuser Seite die Geschichte dieser Freundschaft. Willy Adolf Raab (Wicks Willy) wurde 1921 in Wolfenhausen geboren. Er war der Bruder von Wicks Paula (Paula Fink geb. Raab), Adolf Raab (dem langjährigen Bürgermeister von Wolfenhausen) und Hedwig Löhr geb. Raab (in LE).

Willy geriet während des Kriegs (glücklicherweise) in englische Gefangenschaft. Während dieser Zeit lernte er dort Mary Louise kennen, verliebte sich und die beiden heirateten und Willy arbeitete bei Evershed & Vignoles. Viele Besuche bei der Wolfenhäuser Verwandtschaft folgten in den Jahren danach und da auch beim SVW der Spielbetrieb wieder erfolgreich aufgenommen worden war, traf man sich auch auf dem Sportplatz. Damals keimte wohl irgendwann die Idee auf, ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden Teams zu planen. Mit einem Bruder, der Bürgermeister war und vielen alten Freunden beim SVW auf der einen Seite und einem guten Arbeitgeber auf der anderen, lies sich das recht schnell und unbürokratisch organisieren.
1955 war dann das Jahr, in dem das Team vom Evershed F.C. zum ersten Mal auf dem Wolfenhäuser Sportplatz auflief. Ein internationales Fußballspiel auf dem Wolfenhäuser Sportplatz lockte fast 1000 Zuschauer an. Das Team vom SVW siegte mit einem gewaltigen 5:0. Welch ein Erfolg! Ein Blick auf die Karte von 1968 zeigte allerdings, dass die kommenden 5 Spiele von der Mannschaft von Evershed gewonnen wurden. Der nächste Sieg der Wolfenhäuser fand dann erst wieder 1974 statt. Das tat der Freundschaft nicht weh. Mehr als die Matches waren die gemeinsamen Partys, wie man auch aus diversen Zeitungsartikeln entnehmen kann. Alle zwei bis drei Jahre besuchten sich die beiden Teams abwechselnd über das lange Osterwochenende. Die Stimmung war immer blendend und man munkelt, es seinen einige internationale Ehen aus dieser Freundschaft hervorgegangen.
Wenn man privat bei den Gastgebern übernachtet hat und es nach dem Fußballspiel auf dem Matschfeld keine Duschen im Sportlerheim gab, dann musste die Badewanne bei den Gastgebern eben mal leiden. Aber auf diese Art lernt man sich sehr gut kennen und manche Freundschaften halten tatsächlich über Generationen.
Die Teams nahmen sich gegenseitig auch sehr gerne mal auf die Schippe. Bei einem Heimspiel schlüpften ein paar Spielerfrauen und -Freundinnen spontan in die Trikots der Fußballer und liefen hinter der englischen Mannschaft auf den Platz auf. Die staunten nicht schlecht über ihre vermeintlichen Gegner. Schließlich wussten sie doch, dass der SVW zu dieser Zeit gar keine Damenmannschaft hatte. Als dann kurz darauf doch noch die Herrenmannschaft auflief, war bei einigen die Erleichterung sichtlich zu erkennen.
Ende der 1980er Jahre gehörte Evershed & Vignols schon längst zur Kent Group, die in das Internationale Unternehmen „Megger“ überging. Da war für eine Werksmannschaft mit internationalen Ambitionen kein Platz mehr und die Treffen wurden Geschichte.
Zu dieser Zeit lebten Willy und Mary Raab mit ihrem Sohn Alan schon einige Jahre in Südafrika, wo Willy 2002 verstarb. Alan hält aber immer noch guten Kontakt zu seinen Cousins und Cousinen in Wolfenhausen und kann sich gut an die wilden Partys mit den Wolfenhäusern in seiner Jugend erinnern.
Viele Wolfenhäuser Familien halten noch immer guten Kontakt zu „ihren“ Engländern. Es folgten gegenseitige Einladungen zu Hochzeiten oder anderen Feiern und gelegentliche private Kurzbesuche bei den jeweiligen Familien.
Bildquellen
- Willy&MaryRaab: SVW
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